Tierische Untermieter: Familie Turmfalke

Seit nunmehr vier oder fünf Jahren nistet sich ein Falkenpaar in unserem Bürogebäude ein und zieht mit schöner Regelmäßigkeit seine Jungen groß. Dass die Wohnung, eine stillgelegte Lüftungsöffnung, wieder bezogen ist, sieht man an den vor der „Nisthöhle“ geparkten Autos. Denn wer sein Fahrzeug unterhalb dieses Wandauslasses abstellt, bekommt seine Karosse weiß gekälkt. Hübsch gemütlich richten sich die Falken ihre Behausung nicht ein, sie bauen keine Nester. Daher sind solche Höhlen bei ihnen heiß begehrt - Hauptsache, die Eier rollen nicht heraus.

Drei bis sechs gelblichweiße Eier mit rötlichen Flecken legt das größere Weibchen, das an der starken Tüpfelung von Brust und Bauch und der rostbraunen Färbung von Kopf, Rücken und Schwanz zu erkennen ist. Nur „sie“ brütet und wird in dieser Zeit vom Männchen mit Futter versorgt. Nach knapp 30 Tagen schlüpfen die Küken, dann heißt es für beide Eltern Nahrung heranschaffen. Vier Wochen währt der Dauerstress, dann schwingt sich eine neue Falkengeneration in die Lüfte.

Von fachgerechter Mülltrennung hält die Familie nicht viel: was stört, wird einfach hinaus geschmissen. Wer die Gewölle, die unverdaulichen Reste, die die Vögel im Magen zusammenpressen und ausspeien, auseinanderpflückt, kann feststellen, was bei Falkens „auf den Tisch“ kommt. Mäusehaare und
-knöchelchen finden sich, ebenso Maikäferbeine und andere Insektenteile.

Der Turmfalke ist der weitverbreitetste Falke Europas, doch dort, wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, gehen die Bestände zurück. Freie Flächen mit niedriger Vegetation sind sein bevorzugtes Jagdgebiet, dort jagt er Mäuse, Reptilien, Kleinvögel und Insekten.

Charakteristisch für die Turmfalken ist das „Rütteln“: dabei stehen die Vögel flügelschlagend in der Luft. Hat der Falke eine Beute erspäht, lässt er sich fallen und erwischt jede fünfte Maus. Seinen Jagderfolg verdankt der Turmfalke mitunter seinem unglaublichen Sehvermögen. Hätten Menschenaugen das gleiche Verhältnis zum Körper wie Falkenaugen, müssten sie die Größe von Orangen haben.

Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit sind Turmfalken in den unterschiedlichsten Landschaften zu finden. Feldgehölze und blühende Ackersäume, traditionell genutzte Weiden und Wiesen, wo wenig Pestizide zum Einsatz kommen, sind ideal. Probleme bereitet dem Turmfalken, der 2007 vom Nabu zum Vogel des Jahres gekürt wurde, die Wohnungsnot. Denn Turmluken und Speicheröffnungen stehen nach Sanierungen oft nicht mehr zur Verfügung. Zum Glück nehmen die kleinen Greife künstliche Nistkästen dankbar an, in deren sicherem Schutz der Bruterfolg recht hoch ist.

 

Wir danken für die Unterstützung:  www.kunz-galaplan.de

Weitere Infos auch über den Vogel des Jahres gibt es unter www.nabu.de.